Lehmputzkurs Einheit 1 und 2, Level 2 am BSZ Leipziger Land

In Palencia wurde mit Maria abgesprochen, das ich einen Lehmputzkurs für ESTEPA an unseren BSZ Leipziger Land durchführe. Damals im Juli waren noch nicht die Anzahl der Teilnehmer und die genaue Zeit abgesprochen. Dies wurde dann per E-Mail festgelegt und so kamen am 14.9. um 21:04 Uhr fünf Spanier in Leipzig an. Mit der S-Bahn ging es nach Neukieritzsch, um dann mit zwei Autos nach Groitzsch weiter zu fahren.

Montag, 15.09.2014

Abfahrt in Großpriesligk (Unterkunft) zum BSZ. Für mich aber die Notwendigkeit, eine Frühstücksversorgung zu gewährleisten. In der Schule wurde dann gefrühstückt. 9:00 Uhr empfing uns der Schulleiter. Mit anwesend waren auch die Schüler des Beruflichen Gymnasiums, die während der Kurszeit als Übersetzer tätig sein sollten. Bis Mittag hatten dann die Spanier Gelegenheit zur Besichtigung der Abteilung 1 (Berufliches Gymnasium). Diese Gelegenheit wurde gern angenommen, stand doch eine Bildungskonferenz in Spanien auf dem Plan, wo man auch über die Erfahrungen hier in Deutschland berichten wollte. Man nahm an drei Unterrichtsstunden teil und besichtigte das Biologielabor.

 

Nach dem Mittagbrot, ohne die gewohnte Siesta begann der Kurs. Zunächst gab es allgemeine Hinweise zum Baustoff Lehm und zum Lehmbau mit Hilfe einer Präsentation. Den Inhalt hatte mir dankender Weise Uta ins Englische übersetzt, so dass dann Maria ins Spanische übersetzen konnte (nur englisch wäre nicht möglich gewesen, zwei Teilnehmer sprachen fast ausschließlich nur spanisch).

 

Bevor die Kursteilnehmer am Abend bei mir zu Gast waren, besichtigten wir in Hohendorf. Von einem ehemaligen Vierseithof ist ein Teil (Scheune) durch einen Brand vernichtet wurden. Ein Nebengelass wurde vorbildlich saniert, ein zweites Nebengebäude muss noch darauf warten. Hier konnte ich aber die in unserer Umgebung bekannte Wellerlehmtechnik zeigen.

 

Dienstag, 16.09.2014

Am Morgen, wie schon bekannt, Abholung und Frühstück. Ab 9:00 Uhr begann der Kurs. Im Baustoffprüflabor wurde Lehmprüfung durchgeführt und die Probeplatten und die Lehmkugeln mit unterschiedlichen Mischungen für den Test vorbereitet (Trocknung des Materials). Für die Übersetzung vom Deutschen ins Englische waren zwei Schüler bis Mittag vom Beruflichen Gymnasium anwesend. Für mich bedeutete das eine sprachliche Entlastung und eine bessere Konzentration auf das Fachliche. Im Kurs muss man dann aber etwas mehr Zeit für die Übersetzungen einplanen und wenn die Vokabeln fehlen, muss man sich eben der Zeichensprache bedienen.

 

Gleich nach dem Mittag besichtigten wir den Malerbereich in unserem Schulzentrum. Herr Gerhard weite uns die die „Geheimnisse“ des Plotterns ein und zeigte die neusten Tapetenmuster und Herr Grimmer zeigte uns die neue Spritzkabine der Fahrzeuglackierer. Die Kursteilnehmer erhielten auch von Herrn Bellmann Informationen über unser Bosch-Kompetenzzentrum.

 

Am Nachmittag empfing uns der Bürgermeister der Stadt Groitzsch. Am Treffen nahmen auch zwei Schüler und die Lehrerin vom Spanischkurs vom Wiprecht – Gymnasium Groitzsch teil. Beide Schüler nutzten die Gelegenheit zur Kontaktaufnahme mit spanischen Bürgern. Der Bürgermeister zeigte sich erfreut über den Besuch. Auf dem Programm stand auch die Besichtigung des Fachwerkhauses Markt 15 und ich war mit der Gruppe zu Gast beim Naturfreunde- und Heimatvereins Groitzsch e.V. Die Übersetzung, diesmal ins Französische, unterstützte Ina Schulze.

 

 

Mittwoch, 17.09.

Während des Kurses wurde an den Stellwänden Putzübungen durchgeführt. Dabei zeigte sich das unterschiedliche handwerkliche Niveau der Teilnehmer. Geputzt wurde eine Fläche von ca. 1 qm, wobei die Fläche um eine Außenecke herumgeführt werden musste. Das Ergebnis der Übung war die Vorbereitung für den nächsten Tag. Die Putzfläche, zwar über Nacht nicht trocken werdend, sollte als Unterputz dienen, auf den man dann einen Oberputz aufbringt. Dies ist ein Problem der Zeit. Im Kurs für die Einheit 2 ist es zeitlich oft nicht möglich, den Unterputz trocknen zu lassen, um dann fachgerecht den Oberputz aufzubringen.

 

Der späte Nachmittag war für eine Exkursion nach Leipzig vorgesehen. Wenn man in Böhlen ist, muss man einfach die Messestadt besuchen. Unser Ziel war das Zentrum mit Thomas- und Nicolaikirche und den Passagen nebst dem alten Rathaus zu zeigen. Mein Sohn Jan half mir bei der Übersetzung ins Englische. Obwohl die Zeit sehr bemessen war, konnte ich mit den aufgezählten Sehenswürdigkeiten bei unseren spanischen Gästen punkten. In Leipzig angekommen, wurde erst mal der gute „Sächsche Gaffe“ genossen. In der Thomaskirche hatten wir Glück, ein Besucher war sehr mitteilungsfreudig mit seinem Wissen und so erfuhren wir einige Besonderheiten zur Kirche und zu Johann Sebastian Bach. Mit einem kurzen Halt am Alten Rathaus ging es durch einige Passagen, natürlich am Auerbachs Keller vorbei, zur Nicolaikirche. Diese war leider schon geschlossen. Aber wir konnten trotzdem einiges über die friedliche Revolution in der ehemaligen DDR berichten und darstellen, dass von Leipzig die Veränderung 1989 ausgegangen ist. Über die Grimmasche Straße erreichten wir den Augustusplatz mit Oper, Gewandhaus und neuer Universitätskirche. Im Bayrischen Bahnhof fand der Abend einen gemütlichen Ausklang.

 

 

Donnerstag, 18.9.

Im Kurs wurden weitere Übungen „an der Wand“ durchgeführt. Bei alledem war noch etwas Zeit für kreative Beschäftigung und so kam ganz kurz der Gedanke, die Einheit „Putzgestaltung“ noch einzuführen. Obwohl nicht mit zum Kurs gehörend, wollte ich diese Situation nicht unterbrechen und die Teilnehmer hatten sichtlich enormen Spaß am Gestalten der Putzflächen.

 

Am Nachmittag zeigte ich unseren Gästen ein Umgebindehaus in Löbnitz-Bennewitz. Die Besitzer Ralf und Heike Blechschmidt (Töpfermeisterin) hegen und pflegen ihr Haus liebevoll und es ist immer wieder wohltuend, wie offen und herzlich sie Gästen empfangen und diesen ihr Denkmal zeigen.

 

Auch bei Blechschmidts war die Zeit bemessen, denn man erwartete uns schon in der Dorfkirche Gatzen. Kai Rausch (Kurator in dieser Kirche) empfing uns herzlich am Eingang des sanierten Gotteshauses und bat uns in „seine“ Kirche. Kaum hatten wir die Schwelle überschritten erklang Orgelmusik für uns, es folgte ein Lied mit Sylvia Benndorf, die auf der Orgel von Frau Brumme bekleidet wurde. Die wenigen englischen Vokabeln mussten ausreichen um über die Kirchengeschichte zu informieren. Zum Abschluss der Besichtigung konnten wir uns die Orgel noch etwas genauer ansehen. Dazu spielte Konrad Blechschmidt uns noch einmal ein Stück auf diesem Instrument.

 

Der Tag wurde gemütlich im Landgasthof Michelwitz abgeschlossen.

Freitag, 19.9.

Heute war der Tag der Prüfung. Wir begannen mit dem praktischen Teil. Auch hier halfen wieder zwei Schüler aus dem Beruflichen Gymnasium bei der Übersetzung während der Gespräche. Die Einheit 1 und 2 ließ sich gut koppeln. Erstellen von drei Lehmmischungen und diese an der Wand aufziehen (30cm x 30cm) – Einheit 1 und dann Einheit 2 – das Putzen einer Wandfläche (ca. 1 qm) als Unterputz. (Das Putzen des Oberputzes wurde im Kurs mit Einschränkung bereits praktiziert.) Wenn man die Einheit 2 fachgerecht ausführen möchte ist dies in der durchgeführten Kurszeit nicht möglich, es sei denn, man bereitet eine Unterputzfläche vor die getrocknet ist, auf der man dann den Oberputz aufziehen kann. Die von mir festgelegte Zeit war ausreichend für die praktische Ausführung des Auftrages und die Gespräche. Nach dem Mittag fand dann für die beiden Einheiten die theoretische Prüfung statt. Die Prüfungsfragen lagen mir in Deutsch und Englisch vor. Durch Maria waren wir in der Lage, die englische Ausführung ins Spanische zu übersetzen. Dies funktionierte eigentlich ganz gut, dauerte aber länger als eingeplant. Nach Abgabe der Prüfungszettel mussten nun die Antworten wieder vom Spanischen ins Englische übersetzt werden und mit dem Deutschen verglichen werden. Dies erforderte wieder einen Zeitaufwand, der in dieser Größenordnung nicht eingeplant war. Hier bewährte sich aber das tolle Vertrauensverhältnis der Partner untereinander und so konnten die Ergebnisse zwar unterschiedlich aber als bestanden gewertet werden. Ein ereignisreicher Tag ging zu Ende und wurde in Groitzsch in der Gaststätte „Lindeneck“ gemütlich abgeschlossen.

 

 

 

Sonnabend, 20.9.

Obwohl wir schon einige kleinere Exkursionen absolviert hatten, sollte dieser Tag ganz im Zeichen des Kennenlernens von einem kleinen Stück Deutschland dienen. Geplant war eigentlich eine Fahrt nach Dresden. Da ich aber kein Mietauto buchen konnte und wir ansonsten immer mit zwei Fahrzeugen unterwegs waren, wollte ich das Risiko einer Dresdenfahrt mit PKW nicht eingehen. Die Bahnfahrt erschien zu kostenaufwendig und so machte ich ein anderes Angebot. Dies wurde zunächst mit leichter Endtäuschung akzeptiert und so hoffte ich einen interessanten Ersatz anbieten zu können. Frühstück gab es in der Großbäckerei Hennig in Rüssen-Kleinstorkwitz. Der aus der Weiterfahrt über Pegau entdeckte „Bürohubschrauber“ war dann die erste „Sensation“ des Tages.

 

Unser Ziel, die Arche in Nebra hatten wir noch vor dem Mittag erreicht. Hier wird der Sensationsfund der Himmelsscheibe in toller Art und Weise präsentiert. Die Erläuterungen waren in Spanisch und ich hatte doch einen repräsentativen Ersatz für Dresden gefunden.

 

In der Naumburger/Freiburger Ecke gibt es viel zu entdecken, man muss sich eben aus Zeitgründen auf Weniges konzentrieren. Ich wählte die Neuenburg (größte territoriale Burganlage Mitteldeutschlands) mit seiner berühmten Doppelkapelle aus. Auch das war ein Volltreffer. Wir verbrachten hier den Rest unseres Exkursionstages.

 

Den ereignisreichen Tag ließen wir im Gasthof Großpriesligk ausklingen. Am Sonntagmorgen brachte ich noch unsere Gäste nach Neukieritzsch zum Bahnhof. Ihr Ziel war ein Zwischenstopp in Berlin, wo sie Uta schon erwartete.

Dietmar Schäfer

Veröffentlicht in European Meeting